SED (Die Linke) – Ausstieg leicht gemacht
27. Februar 2009 | Von quadraturacirculi | Kategorie: Politik
Liebe TAZ,
nachdem von Ihrer Seite Austrittsformulare aus der katholischen Kirche veröffentlicht worden sind, nehme ich an, dass auch Austrittsformulare für “Die Linken” bald die Runde machen.
Wir haben nämlich nun auch einen Volksverhetzer gefunden, ätsch. Es ist der Ramelow. Dieser hat nämlich Zweifel an dem Schießbefehl. Laut Spiegel heißt es:
Ramelow, der selbst aus Westdeutschland stammt, wurde auch nach seiner Haltung zum Schießbefehl gefragt. Er erwiderte, die Grenze sei für Menschen, die die DDR verlassen wollten, zur „tödlichen Gefahr” geworden. Richtig sei auch, „dass die tägliche Vergatterung an den Waffen bei den Grenztruppen als Anordnung, mit eben selbiger Waffe den ‘Grenzdurchbruch’ zu unterbinden, verstanden” werden musste. „Ob der ‘Schießbefehl’ allerdings als zwingende Todesandrohung im strafrechtlichen Sinne gewertet werden kann, darf mittlerweile bezweifelt werden.”Ramelow: „Ich stehe zu jedem Wort”
Ausgrenzung, Austritt und Kreuzigung sofort für Ramelow. Apropos Kreuz: dies erinnert an Krenz, sitzt dieser dann nicht noch unschuldig im Knast?
Nö, es gab natürlich keinen Schießbefehl. Die Ossis haben sich widerrechtlich an die Mauer geschlichen, weil sie aus dem gelobten Land fliehen wollten. Und um diesen Fluchtversuch zu dokumentieren, haben sie sich direkt vor die Flinte des unbeteiligten NVA-Sozialismusbeschützers geworfen. Nach der Honeckermaxime „Im Osten denkt nur einer und den kennen wir nicht” hat dann der NVA-Unbetreute erst mal geschossen. Sicher ist sicher.
Okay, es wurden auch paar auf hoher See erschossen, mein Gott, die hätten es sowieso nicht geschafft, das war dann eher ein Gnadenschuss.
Und im Knast ist nichts passiert, das könnte man fast garantieren. Die Individuen saßen dort ja nicht, weil sie Zweifel am System hatten, sondern, weil sie asozial waren.
Und außerdem kann man jeden Eid auf Mielke schwören. Der hätte nicht mal seine rote Fliege ohne roten Punkt kam keine in die Wohnung getötet, er liebte doch alle.
Ach so, liebe TAZ. Ich wollte ja eigentlich das Austrittsformular. Nun gut, während des Schreibens habe ich mich nochmals gewendet und fordere den Beitritt.
PS: Aber nur dann, wenn der Papst auch widerruft, dass er katholisch ist.






Die SED hat Grenzflüchtlinge wie Karnickel abknallen lassen. Wie ethisch abartig ist es, mit so einer Partei zu sympathisieren?
Nicht abartiger, als diese Partei wieder zu wählen, anscheinend finden die Ostler im Nachhinein wieder verstärkt Gefallen an dieser Diktatur-Partei!
Die Ostler finden Gefallen an dieser Partei, und das ist es, was die Westler nie kapieren werden, weil die SED die grösste Parteienbasis zum Anlehnen, Ausheulen aber auch zum Helfen hatte und hat.
Westler haben den wirtschaftlichen Absturz des Ostens nie kapiert. Meine Güte, wenn heute ein Westbetrieb mit 500 Mitarbeitern schliesst, dann geht ein Gejammer und ein Klagen los, Gewerkschaften und Politik verfallen in Aktionismus, die Kanzlerin pieselt sich vor Mitgefühl ein, als es damals Millionen im Osten betraf, hat es keinen gekratzt, ausser der SED. Die sind zu den Betroffenen hingegangen und haben ihre Solidarität erklärt auch mit Hungerstreikenden und das war auch die einzige Partei, die sich wahrnehmbar für den Osten eingesetzt hat, der Rest der Parteien war westlich dominiert und das politische Tagesgeschäft hiess, “weiter so”. Das ist der Grund.
Ein anderer Grund ist, es wurde nie mit dem Sozialismus als Wirtschaftssystem abgerechnet. Ja, Mauer, Tote, Unrecht, Geruchsproben in Einmachgläsern, zweifellos alles sehr interessant aber das war nur die Folge der unzureichenden sozialistischen Politik, die ideologiebestimmt war. Und die hiess, wir können den Bedarf planen und danach produzieren. Heute schon wieder im Gespräch, in Europa.
Irgendwann haben wir den Menschen so erzogen, dass er völlig uneigenützig ackert, zum Wohle späterer Enkelgenerationen und die Arbeiterklasse ist edel und gut und wer im Betrieb gammelt, von der Arbeit zum Einkaufen wegläuft, veruntreut oder Ausschuss baut, darf trotzdem nicht gefeuert werden, weil dass kapitalistische Methoden sind, Leute nach dem zu bezahlen, was sie leisten.
Da haben die anderen Parteien völlig versagt und wie es scheint, glauben die inzwischen selbst, Sozialismus ist das bessere Wirtschaftssystem, nur ohne Mauer, Tote und Schnüffelstaat. Und wer so redet und handelt und nicht erklärt, dass Hartz IV nur geht, weil Kapitalismus die Überschüsse schafft, um das zu finanzieren, na, da wird doch lieber gleich das Orginal gewählt und das ist die PDS.
So siehst aus.
Und was völlig vernachlässigt wird ist, darauf hinzuweisen, dass das Arbeitslosengeld für die DDR Arbeitslosen nur wegen der wirtschaftlichen Überlegenheit der Marktwirtschaft überhaupt gezahlt werden konnte oder die Aufschwungerfolge, die sich tatsächlich im täglichen Leben widerspiegeln, egal, ob jemand Arbeit hat oder nicht. Die Altparteien sind zu dämlich, die Erfolge ihrer Politik zu verkaufen, sie schweigen vor sich hin und denken, die leute müssten das doch sehen. Aber für die Leute sind neue Strassen, renoierte Städte und Autos zum Mitnehmen einfach selbstverständlich geworden. Die SED ist nur stark, weil die Anderen schwach sind. Schwach vom Personal her und damit schwach im Argumentieren und Agitieren. Ein paar Populisten täten denen gut, stattdessen sieht man nur angestaubte Bürohengste, die nicht mal das Offensichtliche aussprechen können.
Ich glaube eher, dass mehr und mehr Menschen im Westen an der SED Gefallen finden, denn im Osten werden es meiner Wahrnehmung nach weniger.
Bitte nicht: die Ostler. Erst einmal ist das Mitteldeutschland (Erfurt etwa liegt bestimmt nicht in Ostdeutschland), zum anderen gibt es auch hier genügend Leute, die nicht wieder in die LPG wollen. Und zum dritten fanden die Gutmenschen im Westen den Sozialismus eigentlich immer klasse – sie lebten ja nicht dort.
Ich jedenfalls – “Ostler” und lange Jahre überzeugter SED-Genosse – habe meine Lektion gelernt.
Was soll das Geflenne? Jeder Soldat, der ein militärisches Sperrgebiet bewacht, erhält nach dieser Logik einen “Schießbefehl”. Der Unterschied ist nur: im Westen ist das gut, im Osten schlecht. So einfach kann die Welt sein.