Kopftuchstreit am Speyer-Kolleg – SCHNAUZE VOLL
11. März 2009 | Von Ernie Souchak | Kategorie: Speyer-KollegGastbeitrag eines Kollegiaten:

Die Schnauze voll!
Es ist soweit: Die ersten beiden „infantilen Quertreiber” haben aufgegeben, da sie dem Druck in Schule und Privatleben nicht mehr standhielten. Wer kann es ihnen verdenken? Von Mitschülern gegängelt, von der Schulleitung im Stich gelassen, von ADD und einer blinden und tauben Bildungsministerin mit Deckel versehen – irgendwann liegen die Nerven blank und man ist aller Kraft beraubt! Dazu kommen Ungewissheit und Sorge um das BAföG, dessen Streichung wie ein Damoklesschwert über der Existenz der Protestler hängt.
Die muslimische Pädagogin war erstaunt, als sich heute zwei neue Gesichter in ihrer Klasse einfanden. Nach dem Unterricht sprach sie einen ihrer Neuschüler an und äußerte ihre Freude über sein Erscheinen, vergaß dabei aber nicht, seine Beweggründe, aus denen heraus er den Boykott aufgegeben hatte, zu hinterfragen. Als der Schüler äußerte, er sei da und damit gut, wurde er gefragt, ob er ihr denn nichts zu sagen hätte!? Der Schüler verneinte und noch im Weggehen fragte er sich, ob sie wirklich eine Entschuldigung erwartet hatte!
Ja, es ist schon unglaublich, was am Speyer-Kolleg so alles geschieht. Gestern zum Beispiel:
Zwei Reporter einer hiesigen Zeitung erschienen auf dem Pausenhof. Sie wollten einfach nur die Meinung einiger Kollegiaten zum Kopftuchstreit in Speyer hören. Legale, freie Meinungsäußerung also. Seltsamerweise fand sich einfach niemand, der mit ihnen sprechen wollte. Woran das wohl lag? Lag es daran, dass das Zeitungsteam, gerade angekommen, von einem pädagogischen Abfangjäger und wandelndem Schatten abgeschirmt und auf Schritt und Tritt durch das Schulhaus eskortiert wurde? Natürlich nur, um Schüler und Lehrerschaft vor Schaden zu bewahren. Oder vielleicht eher deshalb, um ein Gespräch der Reporter mit den Protestlern unmöglich zu machen und jeglichen Kontakt zu unterbinden?
Mit der freien Meinungsäußerung ist das ja auch eine schwierige Sache, nicht wahr? Jetzt wäre doch der richtige Zeitpunkt für all die „guten und gerechten” Mitschüler gewesen, sich vor aller Welt als einzig wahre Gutmenschen zu zeigen!? Sich frei zu bekennen und wie vor Tagen die Protestler öffentlich als Faschisten beschimpfen und ihnen nochmals raten, „sich am nächsten Baum aufzuhängen”. Warum denn auf einmal so zurückhaltend, die Damen und Herren? Keine Namen der Boykottierenden mehr an Dritte weitergeben? Ja, und auch die Lehrkraft, die nebenberuflich als Journalistin unter dem Namen ihres Lebensabschnittspartners tätig ist, keine Denunziationsversuche mehr? Man hätte die Protestanten doch herrlich publikumswirksam auf dem Schulhof mit Steinen bewerfen können, wo doch die Delinquenten „die ganze Schule in Verruf bringen”.
Es sind sicher nicht neun – oder jetzt sieben! - Schüler, die das Speyer-Kolleg in Verruf bringen, weil sie auf ihr Recht zur Wahrung der Neutralität im Klassenzimmer pochen. Vielmehr sind es jene, die zusehen, wie die ADD das Kolleg als „Auffangbecken” für Pädagogen missbraucht, von denen Herr Dr. Gilles nicht weiß, „wo man sie hinstecken soll!” Wie der gute Mann ja schon treffend bemerkte: Das Speyer-Kolleg ist mit nur 2,3 % aller Speyerer Schüler wortwörtlich „das kleinste Übel”.
Nun denn, Ihr Pädagogen, die Ihr bereits Jahre gute Arbeit leistet sowie all Ihr Kollegiatinnen und Kollegiaten: Wenn Ihr es zulasst, dass Eure Schule von Bildungsministerin Ahnen und der ADD auf ein „Übel” reduziert wird, solltet Ihr Euch fragen, was Eurer Ruf und Euer Abitur in Zukunft noch wert ist? Wollt Ihr herabsetzende Blicke von Universitäten oder Arbeitgeber ernten, weil Ihr am Speyer-Kolleg gelehrt oder Euer Abitur hier absolviert, ungeachtet dessen, was Ihr wirklich geleistet und erreicht habt? Lasst es nicht zu, dass die Schule Dank der ADD in den Ruf kommt, nur „gescheiterte Existenzen” zu beherbergen.
Solltet ihr Schüler demnächst Eure fähigsten Lehrkräfte vermissen, so könnten sie sich wegbeworben haben, um sich ihren beruflichen Werdegang nicht gänzlich zu ruinieren. Welche Lehrer dann an der Schule verbleiben, sollte Euch klar sein!!! Das Speyer-Kolleg hat viele gute, erfahrene und fähige Pädagogen, die sich engagieren und sehr viel bewegen. Opfert sie nicht für solche, die Eure Schule nur für ihre politischen Zwecke missbrauchen.





Respekt vor den Kollegiatinnen und Kollegiaten, die ihren Widerstand bisher nicht aufgegeben haben, aber ich kann auch sehr gut die Entscheidung der beiden “Rückkehrer” verstehen, und auch ihnne zolle ich deshalb Respekt, denn sie haben in den vergangenen Tagen viel Zivilcourage bewiesen. Es ist ziemlich unschön, wie in dieser Sache die ganze Schulgemeinschaft behandelt wurde. Übergeordnete Stellen haben eine masssive Störung des Schulfriedens sehenden Auges in Kauf genommen. Ich finde dass das Kolleg diese Behandlung nicht verdient hat. Ob es ein Trost ist oder nicht: in der letzten Landtagssitzung war die Kopftuchfrage auf unsere Initiative hin der zentrale Gegenstand der mündlichen Fragestunde , fast eine 3/4-Stunde drehte sich alles nur um die Vorgänge in Speyer und die (als Liberalität verbrämte) Unwilligkeit der Regierung bei diesem Thema.
Damit sich so etwas nicht demnächst anderenorts wiederholt, brauchen wir ein Gesetz, das für klare Verhältnisse sorgt. Weil das Kopftuch weithin im Sinne gleichberechtigungsfeindlicher Grundeinstellung verstanden wird, hat es in unseren Schulen bei den Lehrkräften keinen Platz. Wir werden im Landtag auch weiterhin für dieses Gesetz streiten, der Entwurf ist eingebracht und wird Ende März beraten. Es ist erfreulich, daß auch die F.D.P. bei diesem Thema zunehmend kritische Fragen stellt.
Gegen die “par odre de mufti”-Politik der SPD hilft nur Öffentlichkeit gewinnen und durchhalten.
Die SPD scheint, wie auch die Vorkommnisse um Ypsilanti in Hessen zeigen, immer mehr zu einem Zentralkomitee zu mutieren.
Liebe Kollegiaten, haltet durch! Die Sympathie der Bürger ist auf eurer Seite.
Wozu bedarf es einer Entscheidungs-Findung über einen Umstand, der durch das höchste Gericht in Deutschland bereits geklärt ist?
Wäre eine Verfassungsklage gegen Landes-Regierung und Landtag sowie Schulbehörden-Hierarchie möglich?
[...] Zum Beispiel die Kopftuch-Auseinanderstezung an der Schule in Speyer: http://quadraturacirculi.wordpress.com/2009/03/11/kopftuchstreit-am-speyer-kolleg-schnauze-voll/#mor…; [...]