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Rezension der Rezension

18. März 2009 | Von Ernie Souchak | Kategorie: Medien

ddr30-meinstaat

Die Gebühren zahlenden Bürger fristen ein wahrhaft trauriges Dasein. Die primäre Aufgabe der öffentlichrechtlichen Pay-TV Sender, nämlich eine Grundversorgung der Gebührenzahler mit einigermaßen objektiven Nachrichten zu gewährleisten, ist einer neosozialistischen, naiven Gutmenschenindoktrinierung gewichen. Da dieser Umstand schon seit längerem bekannt ist, kann man sich als Medienkonsument einigermaßen darauf einstellen. Manchmal jedoch schlagen die „Verkünder der reinen Wahrheit” dermaßen dummdreiste Kapriolen, dass es selbst dem hartgesottensten öffentlich-rechtlichen Zuhörmasochist zu viel wird.


In der Sendung „Andruck” des Deutschlandradios werden montags um 19:15 Uhr politische Bücher vorgestellt. So auch der Titel: „Honeckers Erben – Die Wahrheit über die LINKE”, von Hubertus Knabe. Der Rezensent, Günter Hellmich, spricht dem Autor vorab jegliche „halbwegs objektive” Herangehensweise ab. Frei nach dem Motto: „Wer den guten alten Sozialismus kritisiert, der kann gar nicht objektiv sein. Denn der Sozialismus ist immer Gut. Das ist das oberste und heiligste Gebot.” So schwadroniert der Rezensent:


Die Perspektive Knabes ist allerdings nicht die des halbwegs objektiven Historikers, sondern die eines höchst emotional engagierten Anwalts der Stasi-Opfer, die – was für sie auch subjektiv verständlich ist -, in der ganzen SED nichts anderes sehen können als eine Verbrecherbande.



Ist die SED etwas anderes gewesen als eine Verbrecherbande? Ist die Verklärung der DDR Vergangenheit schon so weit fortgeschritten, dass man diesen Umstand überhaupt in Frage stellen kann oder arbeitet Herr Hellmich noch fleißig an der vorgegebenen Geschichtsklitterung? Überaus großherzig von dem Propagandisten Hellmich ist wenigstens die Relativierung „was subjektiv verständlich ist”. Hört, Hört. Es scheint immerhin noch erlaubt zu sein, subjektiv verständlich die Verbrechen der SED kurz anzudeuten. Aber ein ganzes Buch darüber zu schreiben, das ist nach der Auffassung der Sozialismophilen ganz und gar undenkbar und gehört mit allen medialen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft.


Der sozialistische Vorbeter Hellmich echauffiert sich bei seiner Rezension über die mangelnde Einsicht des Autors, dass „sich Menschen – auch Stasimitarbeiter und SED-Kader -, in den letzten 20 Jahren geändert haben.” Völlig unverständlich. Wie kann man aber auch nur so nachtragend sein? Dieser böse, rückwärtsgewandte Historiker will einfach nicht begreifen, dass die SED-Kader und Stasimitarbeiter nur ihre Arbeit verrichtet haben. Zum Wohl des Staates und gegen die üblen Lügen und Propaganda der teuflischen Kapitalisten.


Wer meint schlimmer kann es nicht werden, der irrt. Hellmich hat sich gerade erst richtig in Fahrt rezensiert. Das Bisherige war alles nur ein Vorgeplänkel für das große Finale. Der Historiker Knabe unterlässt in geradezu obszöner Weise die Differenzierung zwischen MfS und Gestapo und gipfelt in der pharisäischen Forderung: „die SED gehörte wie die NSDAP eigentlich aufgelöst”. Das ist zu viel für den Rezensenten Hellmich. Das hätte Knabe nicht schreiben dürfen. No go! Jetzt ist Schluss mit sozialistischer Menschenliebe. Hellmisch knattert, gleich einem antifaschistischen Maschinengewehr, darauf los wie sehr Knabe sich doch irrt. Knabe macht nur Fehler, vergleicht Äpfel mit Birnen, lässt kein gutes Haar an dem Ur-Demokraten und „everybody’s darling” Gregor Gysi (unfassbar), erwähnt nicht die schlimmen Blockparteien, behauptet die Namensänderung in „DIE LINKE” wäre Camouflage und hört nicht auf schlecht über die geliebte SED zu reden.


Das leidenschaftliche Plädoyer des in seiner (sozialistischen ?) Ehre gekränkten Rezensenten Hellmich endet mit der niederschmetternden Erkenntnis:

Und damit das Buch im Wahlkampf auch richtig genutzt werden kann, werden die Sozialdemokraten gleich mit zur Verantwortung gezogen:


Salonfähig wurde die PDS vor allem durch die SPD. Aus purem Machtstreben kündigte diese in den 1990er-Jahren den antitotalitären Konsens auf und diffamierte öffentlich die Ausgrenzung der SED-Nachfolger. Wolfgang Thierse, Harald Ringstorff und Reinhard Höppner haben damit nicht nur der Demokratie einen schlechten Dienst erwiesen, sondern auch ihre eigene Partei in eine tiefe Krise gestürzt.


Folgt man Hubertus Knabe, wäre es dagegen angemessen gewesen, die PDS nicht anders zu behandeln als die NPD:


Wir sehen das ja am rechten Rand, wenn denn der Damm steht, dass jedermann weiß, mit einer Partei dieser Couleur gibt man sich nicht ab, die sind nicht salonfähig, das ist unappetitlich, dann ist auch die Zustimmung in der Bevölkerung gering, vergleichsweise gering, und das ist auch gut so, und das ist bei der PDS leider von ziemlich Anfang an falsch gemacht worden.


Wer wie Hubertus Knabe so nahe an der schlichten politischen Farbgleichung “rot = braun” argumentiert, hat, wie sich zeigt, ohnehin keine Chance die Wahrheit über Die LINKE herauszukriegen. Dabei wäre die Analyse der jüngsten Entwicklung und der Potenziale dieser fünften Partei im bundespolitischen Spektrum überaus lohnend. Ohne Schaum vorm Mund.


Quelle



Jedem der nicht der Auffassung ist, dass DIE LINKE eine überaus lohnende fünfte Partei im bundespolitischen Spektrum ist, kann man dieses Buch „Honeckers Erben – Die Wahrheit über die LINKE” anscheinend wärmstens ans Herz legen. Wenn sich die Sozialismusversteher derart in Rage reden, kann in diesem Buch wirklich nur „Die Wahrheit über die LINKE” abgedruckt sein.

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2 Kommentare
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  1. Nun ich habe das Buch nicht gelesen, kann mich der Botschaft dieses Artikel voll anschließen. Von meiner Seite einen ganz lauten Applaus.

  2. Hubertus Knabe ist einer der wenigen ernstzunehmenden DDR-Historiker.

    Vor kurzem habe ich seine erschütternde Zusammenstellung von Berichten ehemaliger Stasi-Häftlinge gelesen. “Gefangen in Hohenschönhausen” heißt das sehr empfehlenswerte Taschenbuch (8,95 EUR). Es berichten u. a. Walter Janka, Vera Lengsfeld, Jürgen Fuchs.

    (Wandert der Deutschlandfunk langsam nach links?)

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