Plädoyer für eine längere Nationalhymne

21. April 2009 | Von quadraturacirculi | Kategorie: Medien

kotzenDer Autor dieses Eintrages und der Überschrift versichert  bereits vorab, dass er vor, während und nach dem Verfassen dieses Eintrags nichts geraucht hat. Diese Erklärung erfolgt höchst vorsorglich, da man bereits durch Übernahme der Überschrift aus der SZ diesem Verdacht unterliegen könnte.

Es ist Wahlkampf in Deutschland und gelegentlich kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass besonders unsere Genossen ihre Wahlkampfzunge bei den “Ossis” versenken haben. Nicht dort, wo die blühenden Landschaften sind, sondern dort, wo es meistens bei jedem Einzelnen besonders dunkel ist.

So forderte unlängst Münte (wir berichteten) eine neue Verfassung für das Deutsche Volk. Die Ostdeutschen seien verfassungsmäßig benachteiligt worden, daher bräuchte man eine Verfassung statt einem Grundgesetz. Inhaltliche Änderungen – Fehlanzeige.

Schön, darüber gesprochen zu haben. Vielleicht könnte man auch noch paar Ostmark mit dem Reichsadler drucken. Die Ostnostalkiger bekämen so bestimmt das Gefühl, mehr für`s Geld zu bekommen.

Der nächste Höhepunkt ist das “Plädoyer für eine längere Nationalhymne”. Diese Überschrift soll unkommentiert bleiben, zu einem solchen geistigen Dünnschiß mit Verlaub fehlen die Worte. In der SZ heißt es also:

Das Land könnte sich selbst beschenken – mit einer zweiten Strophe zur Deutschlandhymne. Bisher gibt es nur eine einzige: “Einigkeit und Recht und Freiheit”. Daran könnte man eine zweite anhängen: “Auferstanden aus Ruinen, und der Zukunft zugewandt”. Es ist dies die erste Strophe der alten DDR-Hymne; die durfte dort seit 1973 nicht mehr gesungen werden, weil darin von “Deutschland, einig Vaterland” die Rede ist; das passte den DDR-Machthabern nicht. Diese Losung wurde aber dann ein Treibsatz der friedlichen Revolution von 1989.

Quelle


Es ist wohl keinem der SZ-Schreiberlinge aufgefallen, dass die Deutsche Nationalhymne aus 3 Strophen besteht und die Reduzierung auf eine Strophe ein typischer Fall von political correctness ist. Aber nicht nur, dass es den Schmierfinken nicht auffällt, nein, man bedauert noch die armen Ossis, dass sie ihre Nationalhymne nicht singen surften. Hallo, Erde an Raumschiff, alles noch fit???

Die armen Wessis dürfen 2 Strophen nicht singen. Dies ist aber egal (Nazikeule bitte stecken lassen), im Westen ist ja alles Gold, was glänzt.

Wie man “Treibsatz der friedlichen Revolution” interpretieren soll, verschließt sich vollends. Dies ist schlichte Verklärung der Geschichte. Die Ostdeutschen, die anläßlich der Montagsdemonstrationen auf die Straße gegangen sind, wollten keine Wiedervereinigung oder die Mauer einstürzen. Sie wollten Reformen. Sie wollten reisen. Sie wollten die Ausreise. Sie wollten Konsum, ohne dies hier abfällig abzuwerten.

Der Rest hat sich ergeben, nicht zuletzt durch den “Versprecher” von Schabowski, der plötzlich zu einem “Geheimplan” aufgewertet werden soll.

Aber zurück zum Artikel der SZ, denn dort heißt es weiter:

Auferstanden aus Ruinen: Das ist kein Satz, der zur Empörung Anlass gibt. Er ist die Antwort auf die Hybris von “Deutschland, Deutschland über alles”, der heute zu Recht verpönten ersten Strophe des Gedichts von Hoffmann von Fallersleben. Die Auferstanden-Strophe hat, zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR, nichts mit DDR-Nostalgie zu tun. Sie passt zum ganzen Land, zu seiner Geschichte, zur Wiedervereinigung, zum Gedenken an die Gründung der Bundesrepublik; und singen lässt sie sich auch gut. Eine Nationalhymne, so schreibt Rechtsprofessor Peter Häberle in seinem Buch über die Nationalhymnen der Welt, lässt die “Identitätselemente” erkennen, die ein Volk “im Innersten” zusammenhalten. Diese Identitätselemente finden sich in beiden Liedstrophen. Die alten Lieder erhalten zusammengefügt eine neue Bedeutung: Der Zukunft zugewandt.

Spätestens hier läßt der SZ-Wortakrobat die Katze aus dem Sack: Strophe 1 der Nationalhymne ist zu Recht verpönt. Prima, dann ersetzen wir dieses Unrecht durch die Nationalhymne eines Unrechtsstaates. Und was der besondere Vorteil laut SZ ist: “Es singt sich auch gut…”.

Heinos “Blau blau blau blüht der Enzian…” singt sich auch gut, das kann man bei jeder Kaffeefahrt feststellen. Warum dann dies nicht als Nationalhymne?

Was die SZ i.ü. vergessen hat zu erwähnen: Die Nationalhymne darf zukünftig beim Benutzen von Autobahnen nicht gehört werden!

Freundschaft Genossen!

Der Rest


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5 Kommentare
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  1. Ich wäre auch eher für Heino !!!!!!

    ;))

    Dieser SZ Prantl = Kommunistisches U-Boot

    Würde mich nicht wundern wenn die SED heute noch solche Leute mit Geld über “verscwundene Konten” versorgt .

  2. Die deutsche Nationalhymne zu spielen oder zu singen ist rassistisch, nationalistisch und chauvinistisch, da wird das Herumgeprantl auch nichts daran ändern. Es sei, die alten Strophen werden ganz gestrichen. Überhaupt, was soll das heissen, “Auferstanden aus Ruinen”, selbst wenn sich die CDU kräftig anstrengt, Deutschland in eine Wirtschaftsruine zu verwandeln, so weit ist es ja noch nicht. Und, “lasst uns Dir zum Guten dienen…” Meine Fresse, Dienen, Dienen! Ich dachte, das hätten wir überwunden, wo jemand dient. Der Zeitungsschmierer der Wahrheit und die Regierung dem deutschen Volke. Die deutsche Regierung wohlgemerkt! Von der türkischen verlangt das ja niemand. Der Heribert ist so ein Anachronismus, der merkt das nicht mal selbst.

  3. Dabei wurde zum Ende der DDR noch gestritten, wie eine neue deutsche Hymne wohl lauten könnte. Zum Beispiel, Brechts Kinderhymne wurde vorgeschlagen.

    Ich meine, wenn jemand die alte DDR-Hymne singt, wie schnell schleichen sich da die anderen Texte ins Gedächtnis?

    “Lasst uns plügen, lasst uns bauen, lernt und schafft wie nie zuvor…” Und das ist heute genau so abartig wie “von der Etsch bis an den Belt”. Also keine gute Idee.

  4. Eine längere Hymne wurde in mühsamer Kleinarbeit, nach vielen politischen Kommentaren, Satiren, Persiflagen und gesellschaftlichen Zukunfts-Modellen etc, nun auch fertiggestellt. Sie besitzt sieben Strophen, “bewältigt” unsere furchtbare militaristische Vergangenheit und lenkt den Blick auf Deutschland als Hochkultur-Gebiet, auch auf ein neues Deutschland mit seinen Aufgaben und den Hoffnungen der Menschen, ohne auch nur im Geringsten etwa rassistisch, nationalistisch oder engstirnig zu sein und ohne Hoffmann von Fallersleben ganz fallen zu lassen. Sie nennt sich NATIONHYMNE statt NATIONALHYMNE. In Auszügen hatten Teile bereits große Wirkung. Sie ist bisher lediglich für private Nutzung freigegeben (Copyright Rheinsverlag). Sie sollte von möglichst vielen Deutschen ausprobiert werden. Einzelne Strophen oder sogar nur eine Strophe von sieben lassen sich für unterschiedliche private Anlässe herausgreifen. Daher dürfte die Länge kein Problem sein. Der Klick auf meinen Namen führt zum Text der Hymne.

  5. Ha, ist euch Prantls SZ-Hymnus auch aufgestoßen…

    “Dabei hatte Karl Berbuer schon 1948 – als nach Heribert Prantl Deutschland noch nicht geboren war – einen flotten Song verfaßt, der auch bei offiziellen Anlässen nicht gekürzt werden müßte, sondern in seiner Gesamtlänge genießbar wäre: „Wir sind die Eigeborenen von Trizonesien“. Und als Geburtstagsgeschenk kann man Trizonesien durch Quazonesien ersetzen.”
    http://netzwerkrecherche.wordpress.com/2009/04/26/geburtstagsgeschenk-fur-quazonesien/

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