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Alte blockieren Betten auf der Intensivstation

1. Mai 2009 | Von quadraturacirculi | Kategorie: Medien

Unter dem Titel “Alte blockieren Betten auf der Intensivstation” hat die Welt online den hier zitierten Artikel veröffentlicht. Nach massiver Leserkritik im Kommentarbereich wurde die Überschrift geändert in „Auf Intensivstationen herrscht akute Platznot”.

Am Ende dazu gibt es die lapidare Anmerkung der Redaktion:

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text trug eine Zeitlang eine andere Überschrift: “Alte blockieren Betten auf Intensivstationen”. Diese Überschrift ist von vielen Lesern als unangemessen kritisiert worden (siehe Kommentare). Diese Kritik war berechtigt. Wir haben die Überschrift geändert.

Entschuldigung? Fehlanzeige.

Bedauern? Fehlanzeige.

Trotz der geänderten Überschrift ist der Vorwurf „gegen die Alten” merklich, die einen höheren Versorgungsaufwand bedeuten. So heißt es in dem Artikel:

Die Zahl der Belegungstage in der intensivmedizinischen Versorgung erhöhte sich 1994 bis 2007 um 23 Prozent von 5,6 auf 6,9 Millionen. Das liegt auch daran, dass immer mehr Hochbetagte operiert werden. Boldt: „Wir haben heute 80- und 90-Jährige routinemäßig im OP. Bald werden wir über 100-Jährige haben.” Die Zahl der 80- bis 85-jährigen OP-Patienten stieg von 2005 bis 2007 um elf Prozent, bei den über 95-Jährigen sogar um 16 Prozent. Das Problem, so Boldt, sei, dass es für den Chirurgen oft keinen Unterschied mache, ob er einen 20- oder 80-Jährigen operiere. „Die Nachsorge sieht bei beiden aber völlig anders aus.” Der Jüngere kann meist rasch wieder nach Hause, der Ältere, der oft mehrere Grundkrankheiten mitbringt, muss intensiver nachbetreut werden – und blockiert damit länger ein Intensivbett.

Weiterhin steht geschrieben:

Boldt berichtet von einem alten schwerkranken Patient, der wochenlang beatmet werden musste ohne Hoffnung auf Besserung seines Zustands. „Die Angehörigen waren sehr anspruchsvoll und wollten Maximalversorgung.” Als Boldts Team schließlich einen Platz für den Patienten in einem Pflegeheim gefunden hatte, lehnte die Familie ab: „Der Platz hätte sie 1500 Euro gekostet. Das Geld wollten die Angehörigen nicht zahlen. Die Klinik sei für sie ja gratis.”

Und zum Schluss heißt es:

Oft komme es auch zu „unglücklichen Behandlungsketten”. In Pflegeheimen lasse man alte Menschen nicht mehr in Ruhe sterben, sondern schicke sie bei ersten Anzeichen von Unpässlichkeit in die Klinik. Boldt: „Hier werden sie oft noch operiert, liegen wochenlang auf der Intensivstation und sterben am Ende doch.”

Auch ohne die auf Druck korrigierte Überschrift läuft der Artikel auf das Gleiche hinaus: Alte sind teuer, sie blockieren die Betten, mit denen man mit Jüngeren mehr verdienen kann, es macht sowieso keinen Sinn, Alte zu behandeln, die sterben doch sowieso. Eben etwas früher ohne Hilfe oder später mit Hilfe.

Gleichzeitig ist der letzte Absatz „In Pflegeheimen lasse man…” ein klarer Aufruf zur Euthanasie, sofern man gutwillig ist und den Wunsch der Menschen, zu sterben, unterstellt. Nochmals: den Wunsch, zu sterben, unterstellt.

Es ist unerträglich, wie menschenverachtend dieser Artikel ist, mit und ohne Überschrift. Da kommen so manche Erinnerungen, unter anderem an den CDU-Jungspund Philipp Mißfelder, der darüber fabulierte, ob sich ein neues Hüftgelenk für die Alten lohne, hoch. Mißfelders Name scheint Programm zu sein, wenn es um “Einsparungen” geht, wie seine letzte Platitütte zum Thema HartzIV und Kinder zeigte.

Eine Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, wie sie mit ihren “Schutzbefohlenen”, also den ganz Jungen und den Alten umgeht. Das Bild, dass dieser Artikel zeichnet, ist zum kotzen. Eine charmantere Umschreibung soll den Welt-Journalisten überlassen werden, die sind da treffsicherer, dies zeigte sich bereits an der Überschrift.

Foto: Rainer Sturm (www.pixelio.de)

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