Das Pre-Entführungs-Stockholmsyndrom

3. Juni 2009 | Von Ernie Souchak | Kategorie: Politik

Dieser hervorragende Text vom Brussels Journal hatte es verdient übersetzt zu werden.


Wilders sorgt wieder für Aufruhr. Das Pre-Entführungs-Stockholmsyndrom


Im November 2008 wurde eine holländische Journalistin, Joanie de Rijke, von Taliban-Kämpfern entführt. Sie wurde während ihrer Gefangenschaft wiederholt vergewaltigt und nach sechs Tagen nach einer Lösegeldzahlung von 100.000 Euro ($ 137.000) wieder freigelassen. Nach ihrer überstandenen Tortur bestätigte sie, dass ihre Entführer „furchtbare Dinge mit mir angestellt haben”, und fügte in mehreren Interviews hinzu „aber dennoch respektierten sie mich” und betonte „die Entführer waren keine Monster”.

In einer Rede vor dem niederländischen Parlament bezog sich der Oppositionsführer Geert Wilders auf den Fall von Frau de Rijke.

„Sie wurde vergewaltigt, zeigte jedoch keinen Zorn. Die Journalistin, die loszog um in Afghanistan nach den Taliban zu suchen, sah ihre Neugier in einer schrecklichen Qual mehrfacher Vergewaltigung enden. Während dies andere wütend oder traurig machen würde, zeigt diese Journalistin Verständnis. Sie sagt: ‚Aber dennoch respektierten sie mich.’ Und ihr wurden Tee und Kekse gereicht.”

„Diese Geschichte”, sagte Wilders,

ist ein grandioses Beispiel für den moralischen Niedergang unserer Eliten. Sie sind derart geblendet von ihrer eigenen Ideologie, dass sie die Wahrheit nicht mehr erkennen können. Vergewaltigung? Nun, ich würde das gerne ins rechte Licht rücken, erklärte die linksgerichtete Journalistin: die Taliban sind keine Monster. Unsere Eliten ziehen es vor die Realität zu verweigern, anstatt in ihr Angesicht zu blicken. Man sollte annehmen: wenn eine Frau vergewaltigt wird, findet sie das unerträglich. Aber diese Journalistin ist nicht böse, weil die beteiligten Muslime ihr Respekt erwiesen. Unsere Eliten, egal ob sie Politiker, Journalisten, Richter, Empfänger staatlicher Zuschüsse oder Beamte sind, haben nicht die leiseste Ahnung. Gesunder Menschenverstand wurde auf den Müll geworfen, um die Realität verweigern zu können. Es ist nicht nur diese vergewaltigte Journalistin, die an einem Stockholmsyndrom leidet, sondern die gesamte holländische Elite leidet darunter. Die einzige moralische Referenz, die dieser innewohnt ist: Bloß nicht die Muslime reizen – das ist die einzige Sache, die sie verurteilen.”

Das Stockholmsyndrom ist eine psychologische Reaktion, die manchmal bei Geiseln beobachtet wird. Bei diesem Syndrom bringen die Geiseln ihren Entführen Zeichen der Ergebenheit entgegen, unabhängig der Gefahren oder Risiken in die die Geiseln gebracht wurden.

Wilders Worte brachte sofort das gesamte politische Spektrum, mit Ausnahme seiner eigenen Partei, in Rage. Parlamentarier und Regierungsminister reagierten erbost auf Wilders Anspielung auf Joanie de Rijkes Schicksal. „Sie sollten sich schämen”, rief Femke Halsema von der extrem linken „GroenLinks” Partei. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende, ein Christdemokrat, nannte Wilders Rede „äußerst schmerzhaft und geschmacklos”. Der Ministerpräsident sagte, der Oppositionsführer „missbrauche auf schändliche Weise” die Journalistin, indem er sie „wieder zu einem Opfer, unfähig sich zu verteidigen” macht.

Auch die holländische Presse attackierte Wilders. „Jeder ist über Wilders erbost” schrieb das Amsterdamer Tagesblatt „Het Parool”. Selbst das konservative Webblog „De Dagelijkse Standaardtitelte: „Gert Wilders beschimpft von Taliban vergewaltigte Journalistin.”

Wilders Bemerkung über das europäische „Stockholmsyndrom” der Eliten scheint einen Nerv getroffen zu haben. Die holländischen Eliten – von den Rechten zu den Linken, von den Konservativen bis zu den Grünen – versuchten von diesem Umstand abzulenken, indem sie den Fokus auf Wilders begangene „Beleidigung” einer missbrauchten Frau richteten.

joanie4343_jpg_631223dVor einer suffizienten Aufarbeitung, lassen Sie uns den Fall von Joanie de Rijke näher betrachten.

Frau de Rijke ist eine attraktive, 43 Jahre alte, freischaffende holländische Journalistin mit langen blonden Haaren. Obwohl sie holländische Staatsbürgerin ist, lebt sie nicht in den Niederlanden, sondern in Flandern, dem holländischsprachigen, nördlichen Teil des benachbarten Belgiens. Sie schreibt hauptsächlich für das „P-Magazin”, einem wöchentlich erscheinenden flämischen Hochglanzmagazin für Männer mit Fotos von Frauen in Dessous und knappen Bademoden, pornografischen Comics, Artikeln über schnelle Autos und einigen politischen Berichten.

Letzten Herbst reiste Frau de Rijke für das P-Magazin nach Afghanistan. Eine Burka tragend, versuchte sie in Kontakt mit den Taliban zu kommen, um Material für eine „human interest story” zu sammeln. Sie schaffte es, mit einer Gruppe von Taliban-Kämpfern in Verbindung zu treten, die im August zehn französische Soldaten in einen Hinterhalt lockten und töteten. Frau de Rijke arrangierte ein Interview mit Ghazi Gul, dem Anführer dieser Gruppe. Als sie und ihr Dolmetscher jedoch am Treffpunkt für das Interview erschienen, wurden sie von Gul entführt. Gul schickte den Dolmetscher mit einer Mitteilung für das P-Magazin, in der er  ein Lösegeld von 2 Millionen Dollar für die Journalistin forderte oder er würde ihr die Kehle durchschneiden, zurück nach Kabul.

Die holländische Regierung weigerte sich zu zahlen. Auch Belgien weigerte sich, obgleich Michael Lescroat, der Herausgeber des P-Magazins, behauptete, dass die belgischen Behörden bereit waren ein Lösegeld zu zahlen aber später ihre Meinung änderten, weil sie „Feiglinge” seien. Lescroat sagte auch, dass die Gruppe, die Frau de Rijke entführt hatte, keine richtigen Taliban seinen, sondern

so eine Art Taliban-Söldner, Abschaum, die nur hinter dem Geld her waren. Die wollten auch nicht, dass die richtigen Taliban von ihrer Aktion Wind bekommen, weil die richtigen Taliban dieses Verhalten niemals geduldet hätten.

Wenn man den Antiamerikanismus und die linkslastigen Einlassungen des P-Magazins berücksichtigt, scheint Lescroat Sympathie für die Taliban zu empfinden und er kann nicht akzeptieren, dass die „Guten” schlimme Verbrechen begehen.

Während ihrer Geiselhaft wurde Frau de Rijke wiederholt von Gul vergewaltigt. In ihrem Buch „In de handen van de Taliban”, welches sie letzten Monat veröffentlichte, schreibt sie, dass der Taliban Anführer

sein Testosteron nicht kontrollieren konnte. Ich hatte den Eindruck, dass er danach bedauerte, was er getan hatte. Er wusste, dass es falsch war.

Der edle Wilde lud sie sogar „zu einem flotten Dreier” ein, d. h. er wollte Sex zusammen mit ihr und einer seiner drei Frauen. „Ghazi war ein sehr religiöser Mann. Es ist alles so heuchlerisch. Er war ein kompletter Dummkopf”, schreibt Frau de Rijke.

Weil die holländischen und belgischen Behörden ablehnten zu zahlen, sammelte das P-Magazin 100.000 Euro und bot das Geld als Gegenleistung für die Freigabe der Journalistin an. Der Anführer willigte ein. Frau de Rijke wurde nach sechs Tagen im Austausch für das Lösegeld freigelassen. Die Zahlung, so behauptet Frau de Rijke, wurde mit Hilfe der holländischen Behörden an die Taliban übergeben.

Entführungen von holländischen und belgischen Journalisten sind sehr selten. Das einzige Mal zuvor wurde ein holländischer Journalist in den 1980er Jahren als Geisel im Libanon für einige Zeit festgehalten. Lescroat verlangt, dass sich die holländischen und belgischen Behörden in Zukunft mehr für entführte Journalisten einsetzen sollten: „Es ist untragbar, dass das Leben von Journalisten von dem von Kollegen gesammelten Geld abhängen soll.”

Nach ihrer Freilassung kritisierte auch Joanie de Rijke die holländischen und belgischen Behörden für deren Weigerung Lösegeld zu zahlen. „Die Belgier haben nichts unternommen. Die sagten dafür wären die Holländer zuständig. Und die holländischen Behörden behaupten, sie würden nie Lösegeld zahlen. In Afghanistan wissen sie gut genug, dass westliche Regierungen für ein Lösegeld aufkommen. Deutschland, Italien und Frankreich haben alle schon Lösegeld bezahlt.”

Obwohl Frau de Rijke über die holländischen und belgischen Behörden verärgert war, erklärte sie den holländischen Medien in mehreren Interviews nach ihrer Freilassung, dass sie _geleuter_in_een__christelijke_jas_.html” target=”_blank”>Elma Drager schrieb in der Zeitung „Trouw” (am 14. Mai), dass Frau de Rijkes Fall ein „klassisches Beispiel des Stockholmsyndroms sei – das Phänomen, bei dem die Opfer später erklären, dass die Täter edle Motive hatten und keine andere Wahl, als so zu agieren, wie sie es taten.”

In seiner Rede letzte Woche vor dem Parlament argumentierte Geert Wilders, dass die gesamte holländische Elite am Stockholmsyndrom leide und sie sich so ähnlich verhalte  wie Frau Joanie de Rijke. Anstatt den Versuch zu unternehmen Wilders zu widerlegen, attackierte ihn das gesamte holländische Establishment und beschuldigte ihn „auf unmoralische Weise die Qualen von Frau de Rijke für seine politischen Zwecke zu benutzen. Auch Frau de Rijke sagte, sie sei von Wilders Ausführungen entsetzt gewesen. „Ich war wütend wegen der Vergewaltigung”, erklärte sie, „was ich aber deutlich machen wollte, ist der Umstand, dass die Taliban nicht auf Vergewaltigung reduziert werden können. Die Tatsache, dass ich diesen Aspekt meiner Gefühle betonen wollte, ist nicht mit dem Stockholmsyndrom zu verwechseln, so wie es Wilders und andere gerne tun. In Kriegssituationen scheinen die Leute nur in den Kategorien von Schwarz und Weiß denken zu können. Ich wollte diesen Gedanken weiterentwickeln. Man ist kein Monster, nur weil man ein Taliban ist.”

Ihre Reaktion bestätigt genau, was Wilders versucht hat zu verdeutlichen. In der Realität sind die Taliban keine Monster, weil sie sich Taliban nennen, sondern weil sie sich wie Monster aufführen. Leute wie Frau de Rijke beurteilen jedoch Menschen nicht mehr länger nach ihrem Verhalten und ihren Taten, sondern sie verzeihen ihnen wegen Absichten, von denen sie sich einbilden, sie hätten sie zu ihren Taten getrieben. Wie Wilders sagte: „Sie sind derart von ihrer Ideologie geblendet, dass sie die Wahrheit nicht mehr erkennen können.”

Diese Einstellung führte dazu, dass Joanie de Rijke überhaupt erst nach Afghanistan reiste, mit der Absicht Taliban zu interviewen, die zehn französische Soldaten getötet hatten. Diese Einstellung führte dazu, dass der Herausgeber des P-Magazins infrage stellte, ob die Taliban, die Frau de Rijke vergewaltigt hatten, überhaupt die „richtigen Taliban” wären, weil die „richtigen Taliban verhalten sich so nicht.” Diese Einstellung führte dazu, dass sich eine amerikanische Frau in Bakersfield Kalifornien einem Mann näherte, der auf dem Parkplatz, auf dem sie ihren Wagen geparkt hatte, herumlungerte. Wie sie später der Polizei mitteilte, näherte sie sich diesem Mann, obwohl er wie ein Verbrecher aussah. Sie wollte aber nicht rassistisch erscheinen. Der Mann zog eine Waffe, drohte ihre 11 Monate alte Tochter zu erschießen, vergewaltigte sie und raubte sie aus. Diese Einstellung hat dazu geführt, dass Europa seine Tore weit für eine massenhafte Einwanderung aus muslimischen Ländern geöffnet hat. Diese Einstellung, und hier geht Wilders in seinen Ausführungen nicht weit genug, ist schlimmer als das Stockholmsyndrom.

Diejenigen, die entführt worden sind und am Stockholmsyndrom leiden, haben sich normalerweise nicht bereitwillig einer Gefahr ausgesetzt. Sie hatten das Unglück am falschen Ort zur falschen Zeit gewesen zu sein. Das Phänomen, das durch den Fall von Frau de Rijke veranschaulicht wird, besteht darin, dass Menschen aus ideologischen Gründen die Existenz einer Gefahr bewusst nicht wahr haben wollen und sich selbst der Gefahr aussetzen. Anders als gewöhnliche Leidtragende am Stockholmsyndrom zeigen sie Verständnis für ihre Peiniger nicht erst nachdem sie entführt wurden, sondern sie haben sich schon vor ihrer Entführung den Verbrechern ausgeliefert und enden in der Tat in Gefangenschaft als Konsequenz ihrer ideologischen Blindheit.

Und so hat Joanie de Rijke auf ihre Weise recht. Sie entwickelte ihr Stockholmsyndrom nicht während ihrer Gefangenschaft. Sie hat schon an dem Syndrom gelitten, bevor sie nach Afghanistan aufgebrochen ist. Es ist ganz einleuchtend, dass sie einen Geisteszustand, der als das Stockholmsyndrom beschrieben wird, zurückweist, denn sie betrachtet diesen Geisteszustand als einen Zustand rechtsschaffender und intelligenter moderner Intellektueller. Es ist diese Geisteshaltung, die sie mit fast der gesamten politischen und intellektuellen Klasse Europas von heute teilt, die einer Geisel der politischen Korrektheit.

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5 Kommentare
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  1. [...] http://quadraturacirculi.de/2009/06/03/das-pre-entfuehrungs-stockholmsyndrom/ [...]

  2. “Leiden” denn nicht auch in Deutschland schon viele unter diesem S. Syndrom? :(

  3. Ja, das ist wieder so typisch rassistisch. Diese Einstellung zu Leuten, die doch sagen was sie meinen und danach handeln, was sie sagen. Aber nein, Moslems sind irgendwie wie verwilderte Hundchen, die eigentlich gar nicht beissen wollen und man muss sie nur ausgiebig streicheln, füttern und lieb mit ihnen reden. Völliger Rassismus. Die werden nicht als vollwertige Menschen angesehen, von den ganzen links Verseuchten. Deshalb gibt es auch keine Forderungen an die, zu Lernen oder zu Arbeiten oder sich an unsere Gesetze zu halten, weil sie das nicht verstehen würden, glauben unsere Linken. Leute, mit weniger Intelligenz als der Homo Erectus. Schlimm. Rassismus höchster Potenz.

  4. [...] Den ganzen Artikel lesen Sie HIER [...]

  5. [...] PRE-Sindrome de Estocolmo [...]

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