Flammende (Liebes-)erklärung für Nationalität und Vaterland
25. November 2009 | Von Hyperbel | Kategorie: AuslandCyrano schreibt in der 111 Ausgabe der Riposte Laïque emotionsgeladen, warum er (trotzdem) Franzose ist. Dabei kommt er ganz ohne dummdreisten, dickhodigen Nationalstolz oder nationalistisches Geseiere aus. Vive la France! Ou bien: qu’elle survive!
Er legt den Finger in so ziemlich alle Wunden, die der Grande Nation in den letzten Jahren zugefügt worden sind und die in den Menschen, die sich Frankreich verbunden fühlen, schwären.
Warum bin ich Franzose?
Ich bin Franzose, weil ich von französischer Nationalität bin. Ob meine Nationalität angeboren oder angenommen ist, spielt keine Rolle, solange ich mich als Sohn einer Nation erkenne, d.h. einer Gesamtheit von durch Territorium, Sprache, Traditionen und Vorstellungen vereinten Menschen. Das Territorium ist mein Haus, die Sprache ist der Schlüssel dazu; die Traditionen sind die Fundamente, die Vorstellungen sind die Türen und die Fenster. All das zusammen ist meine Gegenwart. Es ist diese lokalisierbare, sprechende, historische und zukunftsgerichtete Gegenwart, die ich verkörpere, wenn ich mich zum Franzosen deklariere. Meine Identität ist also mehr als mein Personalausweis [=carte d’identitéà (Wortspiel) die Bescheinigung meiner Identität]: Es ist ein „Sein-Wollen“, das mich dazu verpflichtet gegen jene vorzugehen, die nichts von Frankreich wissen wollen, gleichwohl sie dort leben oder von Frankreich leben. Meine Identität ist Handeln!
Die Geschichte, die mich trägt, ist gleichzeitig die Geschichte, die ich mit einem stetigen Gefühl der Selbstverteidigung mittrage. Meine Identität ist eine innere Stille, die zum Zorn fähig ist. Die aktuelle Debatte untermauert diese Selbstverständlichkeit. Frankreich grollt in mir wie in jedem Franzosen, da die aktuelle Identität Frankreichs zurzeit dabei ist, die Identität der Franzosen zu verändern! Die Franzosen haben genug davon, jeden Tag ein Stück mehr die Veränderung Ihres Wesens zu erleben. Franzose zu sein bedeutet also, denen feindlich gesonnen zu sein, die den französischen Gesetzen feindlich gegenüberstehen, allen voran jene Gesetze, welche als Gesetze des Gastgeberlandes wahrgenommen werden. Ich bin Franzose, weil ich das „neue Frankreich“ bemängele!
Ich bin Franzose, weil es mich empört, hier auf meinem Grund und Boden Demonstranten antisemitische Slogans schreien zu hören oder sie die Terroristen im nahen Osten unterstützen. Ich bin Franzose, weil ich es nicht ertrage, dass in den Straßen aggressiv fremde Fahnen oder frankreichfeindliche Banderolen geschwenkt werden, sei es anlässlich sportlicher Begegnungen oder während Demonstrationen. Ich bin Franzose, weil ich nicht länger Personen toleriere, die unter dem Deckmäntelchen unserer Gesetze ihren Kulturen das Nest bereiten – indem sie die Republik zersetzen. Ich bin Franzose, weil ich genug habe von den Predigern, die im Namen einer Religion anti-abendländische Reden halten. Ich bin Franzose, weil ich es überhaupt nicht schätze, dass in unseren Vorstädten Männer und Frauen herumlaufen, die Bin Laden für einen Heiligen oder einen Helden halten.
Ich bin Franzose, weil ich nicht länger die gleiche Fürsorge wie früher empfinde für die illegalen Einwanderer und andere Gesetzeslose, die unsere Kirchen besetzen und unsere Rechte mit Füßen treten, indem sie für sich spezielle Rechte fordern. Ich bin Franzose, weil ich nicht länger akzeptiere, dass uns unsere Schüler befehlen, dass die Geschichtsbücher umgeschrieben werden nur weil die Lehrkraft ihnen eine ausschließlich jüdisch-christliche Weltsicht vermittelt könnte. Ich bin Franzose, weil ich nicht mehr verstehe, dass moslemische Schüler die Koedukation, die Lehrkräfte, die nicht-moslemischen Lehrer, das deistische, enzyklopädische, atheistische Denken, das Gedankengut der Aufklärung, Literatur-, Philosophie-, Physik-, Biologie- und Sportunterricht ablehnen – mit einem Wort alles ablehnen, was ihren himmlischen Überzeugungen zuwiderläuft. Ich bin Franzose, weil es mich auf die Palme bringt, dass ich an Weihnachten keine Krippe mehr ins Schaufenster stellen und keinen Weihnachtsbaum in einer Schule platzieren kann, ohne eine Untersuchungskommission auszulösen.
Der Franzose in mir wird rasend, wenn er hört, dass ein Zug zum Tatort einer Körperverletzung oder einer Vergewaltigung sein kann – wir reden von einem Verkehrsmittel, welches für jene Anonymen, die diese Körperverletzung, diese Vergewaltigung verüben, quasi gratis sind und deren wohlweißlich verschwiegene Identität durch das Schweigen selbst enthüllt wird! Der Franzose, der ich bin, ballt die Fäuste, wenn er hört wie Dominique Baudis persönlich zugibt „dass man in gewissen Stadtteilen nicht mehr ausgehen kann, ohne dass man als „dreckiger Franzose“ angemacht wird.“ (FR3, Toulouse, 1999)! Der Franzose, der ich bin, leidet an dem Wissen, dass François Bayrou, der sich im Jahr 2002 im Rahmen der Präsidenten Wahlkampagne nach Straßburg begeben hat, miterleben musste, wie die Scheiben des Rathauses, wo er sich aufhielt, mit Steinen eingeworfen wurden, als sei er die Inkarnation des Bösen; und Nikolas Sarkozy 2005 während eines Besuchs des sozialen Brennpunktes Argenteuil mit Steinen beworfen wurde, als sei er der Teufel selbst. Der Franzose, der ich bin, ist weder bereit, das Gesicht von Jacques Chirac zu vergessen, wie es von „Jugendlichen“ anlässlich eines Besuches von Mantes-la-Jolie am 4. März 2002 bespuckt worden war, noch wie in französischen Stadien die Marseillaise 2001, 2007 und 2008 ausgepfiffen worden ist!
Ich bin Franzose, wenn ich gegen die Verdritteweltlichung unserer Städte rebelliere, wo die Autochthonen entsprechend der Ankunft der Fremden vertrieben werden, ganz konform einer suizidären Immigrationspolitik, die unser Land schrittweise nach dem Kosovo ausrichtet – welches in weniger als 50 Jahren zu 90% moslemisch geworden ist! Ich bin Franzose, wenn ich über den Rassismus gegen Weiße abkotze, wie über jeden Rassismus, und daher auch wenn ich Sturm laufe gegen die „positive Diskriminierung“, in welcher ich „positiven Rassismus“ wahrnehme, sobald diese auf der Hauptfarbe fußt und auf „politisch Korrektem“ in welchem sich der Dumme und der Feigling verbirgt.
Ich bin Franzose, wenn ich dagegen wettere, dass die französischen Gesetze in den Vorstädten und den sozialen Brennpunkten mit Samthandschuhen durchgesetzt werden. Ich bin Franzose, wenn ich mich weigere, den Blick zu senken, wenn ich den Bewohnern der heuchlerisch als rechtsfrei bezeichneten Zonen begegne. Ich bin Franzose, wenn ich nicht mehr einverstanden bin, ethnisches Opfer zu sein, egal ob es sich um eine angerempelte Schulter, eine genommene Vorfahrt handelt oder um eine Zigarette, die ich unglücklicherweise nicht bei mir trage oder um ein Schinkensandwich, das als Beleidigung aufgefasst wird, oder eine Geste oder ein Wort, das absichtlich missverstanden wird oder einfach die Tatsache, da zu sein.
Ich bin Franzose, wenn ich die Gewaltausbrüche antizipiere, welche im gesamten Hexagone am Abend des 18 November 2009 nicht hätten auf sich warten lassen, wenn der betrügerische Sieg der französischen Fußballnationalmannschaft nicht gegen Irland sondern gegen Algerien erzielt worden wäre. Ich bin Franzose, wenn ich schockiert feststelle, dass die Neujahrsfeiern dazu dienen, den „parc automobile“ warm zu sanieren! Ich bin Franzose, wenn ich harte Strafen fordere für diejenigen, die die Feuerwehr oder die Notärzte rufen, um sie in unsägliche Fallen zu locken.
Ich bin Franzose, wenn ich an die Verbrecher denke, die unsere Lebenssphäre in Schutt und Asche legen, weil sich einer der ihren in einem Unfall am Steuer eines gestohlenen Fahrzeuges zu Tode befördert hat und die dieses Drama ausnutzen, um aus den Fenstern ihrer Wohntürme Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernsehgeräte und andere „harmlose“ Gegenstände zu werfen, welche Autos als Rammböcke benutzen, um die Schaufenster von Lokalen und Geschäften zu zerstören, die Kommissariate mit Raketenwerfern beschießen, die Ordnungskräfte mit Wurfgeschossen wie Steinen, Petanque-Kugeln, Molotov- Cocktails, Pistolen oder Gewehrschüssen empfangen, die alles verbrennen, was sich irgendwie anzünden lässt, die mit Pulver, Fahrzeugen und Waffen dealen… falls sie sich nicht gerade in Terrorzellen engagieren, um in uns Land oder anderswo Tod und Verderben zu bringen!
Ich bin Franzose, wenn Rapper «Frankreich ficken» wollen, wenn Houria Bouteldja meine Landsmänner als „souchiens“ [Wortspiel: Francais de souche (= autochtoner Franzose) + chien (=Hund)—> gebürtige Franzosenhunde] bezeichnet, wenn ich die Islamisierung meines Landes wie auch anderer europäischer Staaten bemängele, wenn ich für ein laizistisches und feministisches Europa eintrete, wenn ich Malek Boutih, Malika Sorel, Hamid Zanaz, Kébir Jbil, Pascal Hilout, Sihem Habchi, Abdennour Bidar… bewundere, die alle Migrationshintergrund haben und die Frankreich Ehre machen durch ihr authentisches Engagement für die Werte unserer Republik. Ich bin Franzose, wenn ich mich für die Menschenrechte einsetze, wenn ich sie der Allgemeinheit durch die Frau nenne, die Mensch ist und durch den Menschen, der ohne Allgemeinheit nichts ist.
Ich bin mehr als jemals zuvor Franzose, im Namen der Allgemeinheit, ich denke an die Franzosen, die ihr Leben dafür geopfert haben, dass ich meines nicht opfern muss, sondern dass ich nach den Werten leben darf, die sie hoch gehalten haben, als alles um sie herum eingestürzt ist. Diese Werte dürfen nicht in einer wie auch immer gearteten nationalen Schande ersäuft werden: Durch sie und für sie bin ich was ich bin. Ich bin Franzose durch Widerstand.
Cyrano
Quelle: http://www.ripostelaique.com




